Bahnstrecke Hamburg–Berlin nach monatelanger Sperrung wieder offen – doch die Probleme bleiben
Nina WalterBahnstrecke Hamburg–Berlin nach monatelanger Sperrung wieder offen – doch die Probleme bleiben
Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist nach monatelanger Sperrung endlich wieder in Betrieb
Nach einer zehneinhalbmonatigen Vollsperrung ist die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wiedereröffnet worden. Die Verzögerungen führten zu massiven Behinderungen für Pendler und zehrten das für unvorhergesehene Kosten vorgesehene Budget vollständig auf. Doch selbst nach der Wiederinbetriebnahme blieben die Probleme bestehen.
Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bereits Anfang Mai abgeschlossen sein. Aufgrund der extremen Winterbedingungen in Januar und Februar verzögerte sich die Fertigstellung jedoch um sechs Wochen, sodass die Strecke erst Mitte Juni wieder freigegeben werden konnte. Die Sanierung kostete insgesamt 2,7 Milliarden Euro – 500 Millionen mehr als veranschlagt – und verbrauchte einen 300 Millionen Euro schweren Puffer, der für unerwartete Verzögerungen vorgesehen war.
Während der Sperrung wurden Fernzüge über Stendal und Uelzen umgeleitet, was die Reisezeiten deutlich verlängerte. Regionalverkehrspassagiere mussten auf Ersatzbusse ausweichen. Die Modernisierung ist Teil eines umfassenden Plans, dutzende veraltete Strecken in Deutschland bis Mitte der 2030er-Jahre auf den neuesten Stand zu bringen.
Trotz der langen Bauzeit traten unmittelbar nach der Wiedereröffnung technische Probleme auf: Aufzüge fielen aus, Züge verkehrten nicht nach Fahrplan. Zudem konnte das neue europäische Zugsicherungssystem (ETCS) nicht installiert werden, was in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine weitere großangelegte Sperrung erforderlich machen wird. Kritiker hinterfragen inzwischen das Vorgehen bei solchen Großprojekten und verweisen auf die langen Bauzeiten und explodierenden Kosten als Beleg für Ineffizienz.
Die Strecke Hamburg–Berlin ist zwar wieder befahrbar, doch das Projekt zeigt die Herausforderungen bei der Sanierung großer Eisenbahninfrastrukturen auf. Fahrgäste müssen sich auf weitere Einschränkungen einstellen, da für die Nachrüstung des ETCS-Systems eine erneute Vollsperrung nötig sein wird. Sowohl die Kosten als auch der Zeitrahmen haben die ursprünglichen Prognosen bereits deutlich überschritten.

