"Backhaus": Der versteckte Jugendtreff ohne Regeln und Mitgliedschaften
Lara Braun
"Backhaus": Der versteckte Jugendtreff ohne Regeln und Mitgliedschaften
Man könnte ohne Weiteres am Backsteingebäude an der Rendsburger Landstraße vorbeifahren, ohne es überhaupt zu bemerken. Keine großen Schilder, keine Menschenansammlungen davor – nur eine schlichte Tür, die jeden Montagabend von 18 bis 20 Uhr wie zufällig geöffnet ist.
Hier befindet sich der Jugendtreff „Backhaus“, betrieben von der Claus-Harms-Kirche. Keine Mitgliedschaft, keine Gebühren, keine Formulare. Jugendliche – meist ab 12 Jahren – kommen einfach vorbei, wenn sie Lust haben.
Drinnen wirkt alles, als wäre es schon lange in Gebrauch. Ein Tischkicker mit abgenutzten Ecken, ein Basketballkorb draußen für die Tage, an denen es nicht regnet. Manchmal läuft Musik, manchmal probiert jemand auf einer Gitarre herum. An anderen Abenden sitzen ein paar Jugendliche über einem Tisch gebeugt und planen halbherzig ein Projekt – vielleicht einen Kurzfilm oder eine Sketch-Idee, die sie wahrscheinlich nie zu Ende bringen werden.
Niemand drängt zu Aktivitäten oder vorgibt einen Zeitplan vor. Die Betreuer, eine Mischung aus Ehrenamtlichen und Kirchenmitarbeitern, halten sich meist im Hintergrund, es sei denn, jemand braucht etwas. Der ganze Sinn des Ortes scheint darin zu bestehen, Zeit totzuschlagen – ohne Regeln. Man kann Körbe werfen, quatschen oder einfach nur rumhängen.
Das Gebäude war früher eine Bäckerei, auch wenn man das heute nicht mehr erkennen würde. Die Böden sind abgetreten, die Wände mit alten Postern tapeziert. Es ist klein, aber nicht ungemütlich. Beim letzten Mal, als ich da war, drehten ein paar Jugendliche mit dem Handy alberne Videos, während andere auf den Sofas lümmelten und nur mit halbem Interesse zuschauten.
Wer es suchen möchte: Es liegt in der Rendsburger Landstraße 389, dort, wo die Stadt allmählich in ruhigere Straßen übergeht. Keine Website, keine Social-Media-Präsenz – nur eine Telefonnummer der Kirche, falls es Fragen gibt. Manche Montage ist viel los, an anderen ist kaum jemand da. Scheint aber niemanden besonders zu stören.
Der Treff gibt sich keine Mühe, etwas Besonderes zu sein. Einfach ein Ort, an den man gehen kann, wenn es sonst nirgends hingeht – oder nirgends, wo man lieber wäre.







