26 February 2026, 06:12

Aschermittwoch in Koblenz: Wo Kunst und Religion gesellschaftliche Widersprüche entlarven

Ein Altar in einer Kirche mit Skulpturen von Menschen und Kerzen auf Ständern, vor einer Wand mit einem Gemälde.

Aschermittwoch in Koblenz: Wo Kunst und Religion gesellschaftliche Widersprüche entlarven

Einzigartiger Aschermittwochsgottesdienst in Koblenz: Kunst, Religion und Gesellschaftskritik

In diesem Jahr fand in Koblenz ein ungewöhnlicher Aschermittwochsgottesdienst statt, der Religion, Kunst und kulturelle Reflexion verband. In der Herz-Jesu-Kirche inszeniert, bot die Veranstaltung eine zum Nachdenken anregende Installation, Live-Aufführungen und eine Rede, die die moderne Gesellschaftsbesessenheit von Macht und Konsum kritisch hinterfragte. Gleichzeitig markierte der Gottesdienst die Eröffnung einer neuen Ausstellung im Künstlerhaus Metternich.

Der Gottesdienst entstand in Zusammenarbeit und wurde vom Kulturbüro der Stadt Koblenz sowie der Schulverwaltung organisiert. Beteiligt waren musikalische und theatralische Ensembles, darunter die Rheinische Philharmonie, die Musikschule Koblenz und das Jugendtheater der Stadt. Auch Schauspieler des Theater Koblenz, der Jugendkammerchor sowie ein Opernchor wirkten mit und schufen so ein vielschichtiges kulturelles Erlebnis.

Superintendent Rolf Stahl von der Evangelischen Kirche und Dekan Thomas Darscheid von der Katholischen Kirche leiteten den Gottesdienst gemeinsam. Organist Joachim Aßmann spielte auf der Kirchenorgel und trug mit seiner Musik zur feierlichen, zugleich kreativen Atmosphäre bei.

Im Mittelpunkt stand die Installation Mensch der Künstlerin Barbara Gröbl, die sich mit dem Paradox des menschlichen Daseins auseinandersetzt – schöpferisch und zerstörerisch zugleich. Das Werk griff das zentrale Motto der Veranstaltung in der Nähe auf: ersöchpferisch, ein Wortspiel aus erschöpfend (ermüdend) und schöpferisch (kreativ). Gröbls Installation bezog sich auf den biblischen Sündenfall und zeigte den Menschen zerrissen zwischen Paradies und Unvollkommenheit.

Professor Wolf-Andreas Liebert von der Universität Koblenz hielt eine Rede, in der er das Thema mit der modernen Gesellschaft verband. Er bezog sich auf Sigmund Freuds Idee des "prothetischen Gottes" und kritisierte die Vorherrschaft von Macht, Konsum und Selbstoptimierung. Die Installation Mensch bleibt bis zum 15. März 2026 in der Herz-Jesu-Kirche zu sehen.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde im Künstlerhaus Metternich die Ausstellung Teil des Ganzen XII – ERSÖCHPFERISCH eröffnet, organisiert vom Bund Bildender Künstler Mittelrhein (BBK). Sie führt die Auseinandersetzung mit Kreativität und Erschöpfung im heutigen Leben fort.

Die Veranstaltung heute verband religiöse Tradition mit künstlerischem und intellektuellem Diskurs und bot so eine neue Perspektive auf menschliche Widersprüche. Während Barbara Gröbls Installation weiterhin öffentlich zugänglich ist, vertieft die Ausstellung im Künstlerhaus Metternich die Debatte über Kreativität und die Belastungen der Moderne.

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