Apothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr lokale Apotheken schließen müssen
Nina WalterApothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr lokale Apotheken schließen müssen
Apothekensterben in Deutschland: Zahl der Apotheken sinkt dramatisch
In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Apotheken in Deutschland stark zurückgegangen. Offizielle Statistiken zeigen einen Rückgang von 20.662 im Jahr 2013 auf 17.288 im Juli 2024 – und bis Ende 2025 werden weitere Schließungen erwartet. Wirtschaftlicher Druck, darunter nicht angepasste Gebühren und die Inflation, treiben viele Betreiber an den Rand der Insolvenz.
Die Debatte um das Apothekenversorgungsstärkungsgesetz hat sich zugespitzt, nachdem die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Paula Piechotta, Kritik geäußert hatte. Nun stellt ein lokaler Apotheker ihre Haltung in einem direkten Appell infrage.
Zafer Arslan, Inhaber der Apotheke an der Post in Wermelskirchen, schrieb Piechotta eine E-Mail, in der er ihre Position zu ortsansässigen Apotheken hinterfragte. Er warf ihr vor, kleine Betriebe zu untergraben, während sie gleichzeitig große Pharmakonzerne oder ausländische Online-Apotheken zu bevorzugen scheine. Arslan wies darauf hin, dass Ärzte in den letzten Jahren mehrfach Gehaltserhöhungen erhalten hätten, ohne dass Piechotta ähnlichen Widerstand gezeigt hätte.
Bei der ersten Lesung des Apothekenversorgungsstärkungsgesetzes sprach sich Piechotta gegen eine pauschale Erhöhung der Festzuschläge aus. Sie argumentierte, dies würde vor allem großen, umsatzstarken Apotheken zugutekommen. Arslan entgegnete, dass viele unabhängige Apotheken aufgrund der wirtschaftlichen Belastung und fehlender automatischer Inflationsanpassungen der Gebühren ums Überleben kämpften.
Arslan betonte die unverzichtbare Rolle lokaler Apotheken bei der Arzneimittelversorgung, der persönlichen Beratung und der Abdeckung von Notdiensten. Er forderte eine sachliche, faktenbasierte Diskussion statt dessen, was er als pauschale Kritik am Berufsstand bezeichnete. Der Streit verdeutlicht die wachsenden Spannungen um die Zukunft des deutschen Apothekennetzes, während die Schließungswelle weiter anschwillt.
Der Austausch zwischen Arslan und Piechotta erfolgt zu einer Zeit, in der die Branche mit anhaltenden finanziellen Herausforderungen konfrontiert ist. Ohne politische Kurskorrekturen drohen weitere Schließungen, die den Zugang zu lokalen Gesundheitsleistungen verschlechtern würden. Im Mittelpunkt der Debatte steht nun die Frage, ob Reformen kleine Apotheken stärken oder ihren Niedergang beschleunigen werden.
