AfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Erinnerungskultur radikal infrage
Nina WalterAfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Erinnerungskultur radikal infrage
Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hielt eine Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen stellten die Nachkriegsgeschichtsschreibung des Landes infrage und forderten eine Neuausrichtung der nationalen Identität und Erinnerungskultur.
Tillschneider erkannte zwar das Ende der NS-Herrschaft an, deutete die militärische Niederlage Deutschlands jedoch als Verlust kulturellen Territoriums. Er sprach von der „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“ und kritisierte, dass sich die Deutschen seiner Ansicht nach später mit den Siegermächten verbündet hätten, um Schuldgefühlen zu entgehen.
Die Idee einer kollektiven Schuld bezeichnete er als „eingebildet“ und prangerte die deutsche Nachkriegsaufarbeitung als „absurde Schuldkultur“ an. Zudem lehnte er die berühmte Rede Richard von Weizsäckers aus dem Jahr 1985 – oft als Meilenstein der deutschen Vergangenheitsbewältigung gesehen – als „geistige Kapitulation“ ab.
Unter Berufung auf Franz Josef Strauß argumentierte Tillschneider, die ständige „Auseinandersetzung mit der Vergangenheit“ sei zu einer „ewigen Buße“ verkommen. Stattdessen forderte er eine „normale deutsche Identität“ und suggerierte, die Vision der AfD werde das Land aus einem Kreislauf der Selbstanklage befreien.
Zum Abschluss warnte er, der Kurs der AfD führe nicht in eine „stolze Zukunft“, sondern berge die Gefahr, Deutschland in eine geistige Isolation zurückzuführen.
Tillschneiders Rede deutete die deutsche Erinnerungskultur als Last statt als Lehre. Sein Aufruf zu einer schuldfreien nationalen Identität steht im direkten Widerspruch zu Jahrzehnten offizieller Gedenkpolitik. Die Äußerungen spiegeln die grundsätzliche Infragestellung etablierter Erzählungen über die deutsche Vergangenheit durch die AfD wider.







