27 March 2026, 02:04

ADNOC übernimmt Covestro: Wie die Chemieindustrie vor dem Umbruch steht

Balkendiagramm, das die Unternehmensgewinne vor und nach Steuern vergleicht, mit begleitendem Erläuterungstext.

ADNOC übernimmt Covestro: Wie die Chemieindustrie vor dem Umbruch steht

Deutschlands Chemieindustrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen, da ADNOC die Übernahme von Covestro finalisiert. Der Deal hat den Aktienkurs des Unternehmens knapp über die Angebotsgrenze getrieben, während die Branche insgesamt weiter mit Absatzproblemen kämpft. Gleichzeitig soll ein neuer Tarifvertrag die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten stabilisieren – doch für 2026 werden weitere Produktionskürzungen und Stellenabbau erwartet.

Die Übernahme von Covestro durch den staatlichen Ölkonzern ADNOC nähert sich der Zielgeraden. Aktuell notiert die Aktie bei 59,54 Euro und liegt damit nur knapp über dem festgelegten Barangebot von 59,46 Euro pro Aktie. Analysten sehen in der Übernahme den Haupttreiber für die Bewertung des Unternehmens, das für 2026 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 98,3 gehandelt wird – ein Indiz für die hohen Erwartungen, aber auch für die Unsicherheiten in der Branche.

Parallel haben ADNOC und der österreichische Mineralölkonzern OMV das Joint Venture Borouge Group International gegründet, das künftig zu den vier größten Kunststoffherstellern weltweit zählen soll. Als CEO wird Roger Kearns die Geschäfte führen, während Stefan Doboczky die Position des Chief Commercial Officers (CCO) übernimmt.

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Doch die strukturellen Probleme der Chemieindustrie bleiben bestehen. Allein der Marktwert von BASF ist seit 2022 um 40 bis 50 Prozent eingebrochen – von einst über 50 Milliarden Euro auf rund 30 Milliarden Euro Anfang 2026. Der Aktienkurs des Ludwigshafener Konzerns fiel von über 60 Euro auf 40 bis 45 Euro und entwickelte sich damit deutlich schwächer als der DAX. Hohe Energiepreise, eine nachlassende globale Nachfrage und teure Rohstoffe – verschärft durch den Ukraine-Krieg – zwingen europäische Hersteller zu massiven Produktionsrückgängen.

Vor diesem Hintergrund haben die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt. Die Beschäftigten erhalten 2027 eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent, gefolgt von weiteren 2,4 Prozent im Jahr 2028. Doch das Ifo-Institut warnt vor weiteren Produktionskürzungen und Stellenstreichungen bis 2026.

Die Übernahme von Covestro durch ADNOC und die Gründung von Borouge Group International verändern die Branchenlandschaft nachhaltig. Zwar bringen die Tarifabschlüsse den Beschäftigten eine gewisse Entlastung, doch Experten rechnen weiterhin mit Arbeitsplatzverlusten und schrumpfender Produktion in der deutschen Chemieindustrie. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die langfristigen Folgen von hohen Kosten und schwacher Nachfrage abzufedern.

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